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Klaus Ferdinand Hempfling

Posted on Posted in Sekten & Gurus, Dressur-Studien, Hörfunkbeiträge

Hier ein älterer Hörfunkbeitrag von mir aus dem Jahr 2003.

Da zu diesem Thema gelegentlich noch Anfragen kommen, stelle ich den Beitrag hier noch einmal ein.

Es geht um einen Mann namens Klaus Ferdinand Hempfling, der seinerzeit eine Art „Pferdeflüsterer“ in der Reiterszene war. Später legte er jedoch Eigenarten an den Tag, die so manchen Sektenexperten hellhörig werden ließen.

Vom “Pferdeschamenen” zum Scharlatan?

von Claudia Sanders

Vom Pferdeschamanen zum Scharlatan?
Der Fall des Klaus Ferdinand Hempfling

DLF-Magazin, 13. März 2003, Sendelänge: 8´00
WDR5, Neugier genügt, 18. März 2003, Sendelänge: ca. 10´00
hier das Manuskript der WDR-Version

Autorin

 

Nur ein Fingerzeig reicht und das ungestüme Pferd wird sanft wie ein Lamm, folgt dem Menschen ohne Strick und Halfter: Was Robert Redford in dem Film der Pferdeflüsterer zeigte, das würde so mancher gerne nachmachen können.
In Deutschland gibt es etwa zwei Millionen Reiter und eine Million Pferde: Ein milliardenschwerer Markt.
Grugahalle, Essen. Bis zum vergangenen Wochenende tummelte sich dort alles was Rang und Namen in der Reiterszene hat: Auf der Equitana, laut Veranstalter die weltgrößte Pferdemesse. Mit dabei war auch Klaus Ferdinand Hempfling. Als einer der ersten in Deutschland plädierte er für einen gewaltfreien Umgang mit dem Pferd. Sein Buch „Mit Pferden tanzen“ verkaufte sich Anfang der 90er Jahre Hundertausendfach. Braungebrannt und athletisch zeigt Hempfling dort, wie man mit Pferden umgehen sollte.

 

In Halle 2 der Grugahalle steht der Pferdeflüsterer am Rande des Showrings und wartet auf seinen Auftritt. Das Gesicht wirkt fahl, immer wieder zucken die Mundwinkel nach oben, als ob er das Lächeln einstudieren wolle. Zwei Frauen führen braune, kleine Pferde in den Ring. Hempfling tritt vor: Das sind „Halbgeborene“ sagt er mit tiefer Stimme und nutzt die Gelegenheit um sein jüngstes Buch vorzustellen: Wenn sich Pferde offenbaren – „Alle Pferde der Welt in 26 Charaktergruppen: Individuelle Beschreibungen und präzise Arbeitsanleitungen.“ Es erinnert stark an ein Horoskop:

 

Doch statt Schützen und Jungfrauen, sind in Hempflings Buch „Halbgeborene“, und „Könige“ vertreten.

 

1. O-Ton: Schüler 048

 

Das wesentliche ist, dass man immer mehr verbunden wird. Auch mit sich selber, und viele Dinge über sich selbst erkennt, in die Richtung Pferd als Spiegel, diese Geschichte ein bisschen. Sehr interessant. Dass man einfach zum Beispiel im Umgang mit den Pferden die eigenen Schwächen, die kommen natürlich sofort raus, wenn man sich intensiv beschäftigt und das sind dann interessanterweise Schwächen, die man selber gar nicht vermutet hätte an einem, und das ist das sehr Interessante, und das ist auch gar nicht einfach.

Martin steht gebannt am Showring und beobachtet Hempfling. Er ist etwa Ende 30, möchte seinen Nachnamen nicht nennen, besitzt selber zwei Pferde und absolviert gerade einen Kursus bei Hempfling.

 

In Dänemark hat sich der „Pferdefüsterer“ vor rund 1,5 Jahren Zeit niedergelassen und betreibt dort eine Art „Schule: Innerhalb von 3 Jahren kann dort der Titel „Akedah“-Horse-Therapist erlangt werden. Mindeststudiengebühr: 15.000 Euro. Diese „niedrige“ Gebühr – so ist auf Hempflings Internetseite nachzulesen – werde aber nur in Ausnahmefällen gewährt. In der Regel verlangt Hempfling eine ausführliche Selbstauskunft über die Vermögensverhältnisse, daran bemisst sich der endgültige Preis.

 

2. O-Ton: Rohmann 0´17 / 4

Ich denke dass System KFH ist totalitär, weil er die letzte Entscheidung trifft, es ist kein demokratisches System. Leute die sich KFH ausliefern sind ihm auf Gedeih und Verderb ausgeliefert
Meint Dieter Rohmann. Der Münchner Diplom Psychologe betreut seit 1984 Menschen, die aus Sekten beziehungsweise Kulten einen Ausstieg suchen. Mittlerweile haben sich allein bei Rohmann rund ein halbes Dutzend Menschen eingefunden, die einst bei Klaus Ferdinand Hempfling Kurse belegten und nun vor Trümmern stehen: Finanziell geschädigt , fassungslos, was ihnen widerfahren ist. Denn neben dem Umgang mit dem Pferd, predigt Hempfling noch ganz andere Dinge:

3. O-Ton: Rohmann 2 0´26

 

KFH will eine neue Ordnung, eine die schon mal bestanden hat, er beruft sich stark auf das Alte Testament, er glaubt auserwählt zu sein, um das Volk um sich zu scharren, er geht sogar so weit, dass er meint sie müssten Verantwortung für alles übernehmen

 

4. O-Ton: Kreile 0´29 4

 

Er hat gesagt, dass er ein Volk gründen möchte und dass wir uns quasi als Auserwählte sehen sollten, ja, und deswegen auch diese harte Schule mitmachen müssten bei ihm, einfach unsere Persönlichkeit zu ändern.

 

Autorin

 

Ändern sollte sich auch Siegrid Kreile. Die allein erziehende Mutter lernte den Pferdeflüsterer Mitte der 90er Jahre kennen. Einige Jahre später plant Klaus Ferdinand Hempfling – so Sigrid Kreile – mit seinen Anhängern ein Projekt in Spanien aufzuziehen: Von der Landwirtschaft leben, unabhängig sein. Die junge Mutter ist mit dabei:

 

5. O-Ton: Kreile 3 0´37

 

Wir waren jeden Tag auf der Finca und haben von früh bis spät gearbeitet, Haus geputzt, Ställe gemistet Tiere versorgt, gebügelt, gewaschen, eingekauft, eben alles was anfiel, täglich, ohne frei zu haben, über das Projekt haben wir nicht gesprochen, dann hat er mal gesagt, es ist halt noch nicht angesagt, wir wären noch nicht soweit, wir müssten noch an unserer Persönlichkeit und an unserem Charakter arbeiten

 

Autorin

 

Zeitweise hätten bis zu 15 Leute auf der Finca gelebt, erinnert sich Kreile, doch im Laufe der Monate – insgesamt acht verbrachte sie dort – seien es immer weniger geworden.
Der Diplom-Psychologe Dieter Rohmann:

 

6. O-Ton: Rohmann 5 0´32

 

Zum Ausstieg der meisten Leute führte seine scheinbar teilweise aufbrausende und cholerische und diktatorische Art und Weise. Und das passt ja zu der Interpretation von Kulten: Er ist Interpret und Schöpfer der Wahrheit, so kann er von einem Tag auf den anderen die Wahrheit umdrehen, so ist der Schnee nicht mehr weiß, sondern grün. Dennoch bleibt die Wahrheit bestehen, weil der Interpret der Wahrheit ist ja auch derjenige, der das ganze managet.

 

Autorin

 

Klaus Ferdinand Hempfling versteht es offenbar seine Anhänger unter Druck zu setzen:

 

7. O-Ton: Rohmann 1 0´33

 

Jeder Kult züchtet eine „Ausstiegsphobie, droht mit dem Tod, so krass ist KFH nicht, aber mir liegt eine Aussage vor, dass auch er droht, wenn man seine Gruppe verlasse, werde bestraft oder verrückt

8. O-Ton: Kreile 5 0´29

 

Er sagte immer, dass es Konsequenzen haben würde, für jeden der geht, entweder weil er ihn rausschmeißt oder wenn er selber geht. Es sagt immer, wir hätten eine Aufgabe zu erfüllen, das ist der Wille des Himmels, wir können nicht mehr zurück, wenn wir es trotzdem machen, dann hätte es Konsequenzen, das Leben oder Schicksal würde uns dann bestrafen

 

Autorin

 

Im Sommer 1999 beschließt Hempfling offenbar das Projekt in Sanien erst einmal aufzugeben, die Gruppe geht nach Deutschland zurück. Ein Teil – inklusive Hempflings schwangerer Freundin- wohnt auf dem Hof von Sigrid Kreile. Sie will aussteigen. Da ihr Hof zudem Ende des Jahres verkauft und geräumt werden soll, bittet sie die Hempfling-Anhänger sich ein neues Quartier zu suchen. Ihrer Bitte sei man aber nicht nachgekommen, sondern man habe finanzielle Forderungen an sie gerichtet.

 

9. O-Ton: Kreile 6 0´28

 

Und hab dann fluchtartig das Haus verlassen, weil er da mir auch richtig Angst gemacht hat, er sagte, ja, er würde mir das Haus verbieten, sie hätten ja einen Mietvertrag mit mir und es wäre besser wenn ich mich mit ihnen einige, und ich hab gesagt: Ich hab doch keinen Mietvertrag mit euch gemacht. Doch wir haben einen mündlichen Mietvertrag sagte er, die anderen werden das alles bestätigen.

 

Autorin

 

Als sie wieder in ihr Haus zurückkehren will, steht sie vor verschlossenen Türen: Die Gruppe rund um den Pferdeflüsterer hat offenbar kurzerhand die Schlösser ausgetauscht. Nur mit Hilfe der Polizei habe sie ihre eigenen vier Wände betreten können und erst nach einem Gerichtsprozess hätten die Hempfling-Jünger ihr Haus verlassen.
Klaus Ferdinand Hempfling stellt diese Situation anders dar. Man habe der Frau geholfen, die sich in finanzieller Not befunden habe. Nicht mehr und nicht weniger. Die Vorwürfe, die sie gegen ihn erhebe, veranlassten ihn aber nun zum Handeln:

 

10. O-Ton: KFH 395

 

Und wir müssen sie, diese arme Frau jetzt, die da hineingezogen worden ist verklagen, denn wenn das so in die Öffentlichkeit geht, muss ich das klar stellen

 

Autorin

 

Und in Richtung seiner ehemaligen Anhänger – die sich mittlerweile in einer Betroffenen-Initiative organisieren- meint Hempfling:

 

11. O-Ton: KFH 412

 

Leute, lasst euch doch nicht vor diesen Karren spannen, den ihr nicht übersehen könnt, ihr könnt nicht übersehen, was ihr da tut. Die können es übersehen. Die benutzen auf eine moralisch verwerfliche Art und Weise euch für ein in Wirklichkeit politisches Interesse.

 

Autorin

 

Denn eigentlich, so Hempfling, seien alle diese Vorwürfe nichts anderes als eine groß angelegte Kampagne gegen ihn. Und die Drahtzieher hat er auch schon ausgemacht:

 

12. O-Ton: KFH 266

 

Wir werden ja ausschließlich von der Kirche verfolgt, es sind ja ausschließlich kirchliche Institutionen, die sich sozusagen mit diesen Anklägern zusammen jetzt an die Öffentlichkeit wenden. Also, es sind die Diozösen, es sind bestimmte Weltanschauungsbeauftragte, man muss sich dieses Wort einmal auf der Zunge zergehen lassen, d.h. es ist ausschließlich die Kirche. Die, die auf der Anklagebank sitzen sind diejenigen, die eben gegen Menschen zu Felde ziehen die weltanschaulich nicht ihrer Meinung entsprechen

 

Autorin

Die stärkste Kritik kommt aber von einer privaten Initiative: die Sekteninfo Bayern. Dort haben sich zahlreiche der Betroffenen zusammengetan und wollen nun über den „Pferdeschamanen“, wie sich Hempfling selber nennt, aufklären und an die Öffentlichkeit gehen.

 

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