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Zwei Jahre Kleiderkammer Hachenburg: Viel Hilfe und einige Überraschungen

Wer Kontakt zur Kleiderkammer in Hachenburg sucht, hier die Daten: 

Telefon: (0 26 62) 9 49 33 23

Die Kleiderkammer ist in der Kirchstraße 1 in Hachenburg zu finden. Jeden Donnerstag können zwischen 9 bis 11 Uhr Spenden abgegeben werden. Die Öffnungszeiten, zu denen die Spenden ausgegeben werden, sind: Montags: 10 bis 12 Uhr. Mittwochs: 17 bis 19 Uhr.

Kurz vor halb zehn, zwei Frauen und drei Männer stehen schon an der kleinen Treppe vor der Kleiderkammer. Die öffnet zwar erst in einer halben Stunde, doch wer früh kommt, darf zuerst hinein und hat die freie Auswahl. Für diesen Morgen darf ich die ehrenamtlichen Helferinnen in der Kleiderkammer unterstützen. Ich habe mich als FDP-Direktkandidatin für Hachenburg angemeldet, um mich über die Kleiderstube zu informieren und wenn ich schon einmal hier bin, kann ich auch mit helfen.

Zuhören und Notizen machen.
Zuhören und Notizen machen.

Die Kleiderkammer gehört zum Arbeitskreis „Integration und Asyl“ der evangelischen Kirchengemeinde Altstadt. Pfarrersfrau Katrin Schiwietz (33)  rief das Projekt im Winter 2013 ins Leben. Seitdem stapeln sich in der einstigen Wohnung der Gemeindeschwester Kartons und Säcke, vollgepackt mit Anziehsachen. In mühevoller Kleinarbeit wird alles gemustert, Unbrauchbares mit Flecken und Rissen aussortiert und schließlich fein säuberlich auf Kleiderbügel drapiert. „Die Aufhänger müssen in diese Richtung zeigen“, sagt eine der ehrenamtlichen Helferinnen, und zeigt mir, wie alles ordentlich in Reih und Glied hängen sollte.

Die abgegebenen Kartons und Säcke sind oftmals Überraschungspakete, sagt Katrin Schiwietz: „Zuerst schauen wir, ob auch alles sauber ist und nicht Ungeziefer eingeschleppt wird. Denn leider kommt es hin und wieder vor, dass wir Spenden bekommen, die eher Müll als nützlich sind.“ Gesucht und gebraucht werden gerade jetzt Winterkleidung, auch Männersachen in kleinen Größen. Daneben werden ebenfalls Tisch- und Bettwäsche gern angenommen, sowie Schuhe und Sportkleidung. Ich ziehe aus einer blauen Mülltüte eine weitere Spende. Mit spitzen Fingern halte ich ein weißes langes Nachthemd, das großzügig mit quietschrosa Rüschen verziert ist, in die Höhe. Katrin Schiwietz und ihre Mitarbeiterinnen lachen über meinen erstaunten Gesichtsausdruck: „Wir haben uns schon lange abgewöhnt die Spenden in ‚schön‘ oder ‚nicht schön‘ zu unterteilen. Hauptsache die Spenden sind in Ordnung. Denn Geschmäcker sind ja  verschieden und bei uns findet jedes Stück einen dankbaren Abnehmer.“

Insgesamt fast 450 Menschen besuchen die Kleiderkammer regelmäßig, darunter sind etwa 150 Flüchtlinge. Die große Mehrheit der Hilfesuchenden sind aber Rentnerinnen, Hartz 4-Empfänger und Alleinerziehende, deren Geld hinten und vorn nicht ausreicht. Pro Besuch und Person dürfen fünf Kleiderstücke mitgenommen werden. „Eigentlich wollten wir alle umsonst abgeben“, erzählt Katrin Schiwietz. Nach einer intensiven Diskussion, übrigens gerade auch unter den Betroffenen, haben wir eine kleine Spendendose aufgestellt, in die jeder einen freiwilligen Betrag hineinwirft. Wir kontrollieren dabei nicht, ob es 50 Cent oder 5 Euro sind, Hauptsache jeder gibt eine Kleinigkeit. So können wir wenigstens den laufenden Unterhalt wie Strom und Wasserkosten decken.“

 

In der kleinen, grünen Box werden die freiwilligen Spenden gesammelt.
In der kleinen, grünen Box werden die freiwilligen Spenden gesammelt.

15 Frauen kümmern sich ehrenamtlich um die Kleiderkammer, viele von ihnen sind selber Zugewanderte, die sich nun für andere engagieren. „So können wir in mehreren Sprachen mit den Hilfsbedürftigen sprechen: „Englisch, Türkisch, Russisch, Persisch, Bulgarisch und Arabisch“, zählt Katrin Schiwietz auf.

Mittel- bis langfristig wünschen sich die Frauen, dass sie die Kleiderkammer an einem größeren Standort unterbringen können, sodass mehr Lager – und Ausgabefläche vorhanden ist. Katrin Schiwietz: „Im Moment können wir immer nur zwei bis drei Personen in einen Raum lassen, weil hier alles so beengt ist. Die anderen müssen so lange draußen vor der Tür warten. Da wäre eine größere Kleiderkammer schon für alle ein großer Gewinn.“  Angesichts der steigenden Zahl von Menschen, die diese Hilfe in Anspruch nehmen, finde ich den Wunsch sehr nachvollziehbar und verspreche, das Anliegen zu unterstützen: „Eine so schöne und gute Initiative verdient Unterstützung. Denn ohne sie wäre Hachenburg, im wahrsten Wortsinne, ein ganzes Stück ärmer.“

 

Infos:

Die Kleiderkammer ist in der Kirchstraße 1 in Hachenburg zu finden. Jeden Donnerstag können zwischen 9 bis 11 Uhr Spenden abgegeben werden. Die Öffnungszeiten, zu denen die Spenden ausgegeben werden, sind: Montags: 10 bis 12 Uhr. Mittwochs: 17 bis 19 Uhr.

Telefon: (0 26 62) 9 49 33 23

Ich war bei der Kleiderkammer schon im Dezember 2015 zu Besuch.